Willkommen im Leben

Angst

Oktober 31, 2016

Hallo ihr Lieben,

kennt ihr auch diese Angst, die euch scheinbar den Atem nimmt und das Blut in den Adern gefrieren lässt? Klar, gibt es Ängste in meinem Leben. Angst davor, zu versagen, Angst nicht geliebt zu werden usw. Doch es gibt auch diese eine Angst. Ich nenne sie die schreckliche Angst.

Als ich ein Kind war, kamen nachts die Geister in mein Zimmer. Der Raum war erfüllt von einer Eiseskälte und ich war wie gelähmt und konnte weder atmen noch schreien. Was aber passiert, wenn man einem Erwachsenen davon erzählt? Genau, sie erkären einem, dass es so etwas wie Gespenster nicht gibt. Also enschloss ich mich, niemanden davon zu erzählen. Es war meine Entscheidung und so blieb ich allein mit meiner Angst.

 

Letzte Woche wollte ich nach meinen E-mails sehen, als mir ein Bericht über die sogenannten Horrorclowns ins Auge sprang. Ich musste ihn einfach lesen und mir die gruseligen Bilder ansehen. Ich mag Clowns nicht. Sie sind mir irgendwie unheimlich. Abends trafen wir uns zur Elternbeiratswahl im Kindergarten. Als meine Freundin mir später anbot, mich nach Hause zu fahren, lehnte ich dankend ab. Ich liebe es, zu Fuß zu gehen, vor allem, wenn die Sterne über mir funkeln. Meine Freundin war wenig begeistert, mich alleine im Dunkeln heim gehen zu lassen.  “Na schön, wenn du meinst,” seufzte sie. “Aber nimm dich vor den Gruselclowns in Acht!” rief sie mir noch spaßhalber zu und ahnte nicht, dass sie damit voll ins Schwarze getroffen hatte. Sie verschwand um die Ecke und ich rannte fast. Plötzlich schien die nächste Straßenlaterne meilenweit entfernt. Die Angst packte mich, sie griff nach mir. Ich konnte kaum atmen. Mein Herz schlug rasend schnell und kam seiner Arbeit kaum nach. Ich habe keine Angst davor überfallen zu werden, aber ich habe Angst, einem dieser Clowns zu begegnen. Mir war eiskalt und trotzdem lief mir der Schweiß über die Stirn. Ich zwang meine Füße. Einen Schritt nach dem anderen. Schneller. Es musste schneller gehen. Ein unheimliches Gefühl breitete sich in meiner Magengegend aus. Ein Gefühl, welches ich nur allzu gut kannte. Am liebsten hätte ich geweint, als ich mich plötzlich in meiner Kindheit wiederfand.

Ich bin in der fünften Klasse und das deutsche Fernsehen nimmt es mit einer kinderfreundlichen Vorschau nicht so genau. Ich schaue gerade meine Lieblingsserie, als vor der Werbepause plötzlich die Vorankündigung für Stephen Kings “ES” über den Bildschirm flimmert. Pennywise`Krallen greifen um die weiße Tür und anschließend folgt seine hässliche Fratze, zu einem unheimlichen Grinsen verzerrt. Mir stockt der Atem. Auch in der Schule gehören Horrorfilme zum Alltag, wenn man dazugehören will. Und ich will dazugehören. Also zähle ich lässig sämtliche Gruselfilme auf, von denen ich je gehört, die ich aber niemals wirklich gesehen habe. Meine Schulfreundin erzählt begeisert von ihrem Lieblingshorror. Verdammt, dieser dämliche Clown scheint mich zu verfolgen. “Oh mann, Susi. Überall sind diese weißen Fliesen und dann versteckt sich ein Kind. Man hört schon das unnatürliche Quietschen von Pennywise und wie er das Messer wetzt. Dann diese Luftballons. Und überall ist dann das Blut. Voll Krass, oder?” Ja, voll krass. Ich schlucke und zwinge mich zu einem anerkennenden Lächeln. Am Wochende sind wir zum Grillen eingeladen. Meine Freunde klatschen begeistert Beifall, als einer von uns “Es” in den Videorekorder schiebt. Ich spüre einen leichten Anflug von Panik. Meine Schwester rennt nach draußen auf die Terasse, wo die Erwachsenen sitzen und petzt alles meiner Mutter. Die bläst uns ordentlich den Marsch und verbietet uns, es in Zukunft auch nur in Erwägung zu ziehen, uns so einen Mist anzuschauen. Nie war ich den beiden dankbarer. Doch irgendwann wird trotzdem Nacht und ich muss ins Bett. Sorgfältig postiere ich den riesigen, weißen Stoffteddy am Bettrand und krieche unter die Decke. So habe ich kaum Platz zum Schlafen. Aber wenn Pennywise in unser Haus kommt, dann holt er vielleicht den Teddy und nicht mich…

Zu Hause in meinem Bett fühlte ich mich wieder sicher und konnte mich mit meiner Angst auseinandersetzen. Ich habe für mich einen guten Weg gefunden, mit ihr klar zu kommen:

  1. Zulassen: Der Angst erlauben, da zu sein. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass die Angst wieder kommt  und sogar schlimmer wird, wenn ich sie wegdrücke oder ignoriere.
  2. Mich fallen lassen: Ich lasse mich in das Gefühl der Angst komplett hineinfallen. Ich schaue mir alle Bilder an, die sie mir zeigt, ich fühle alle Emotionen, die hochkommen und ich höre alle Geräusche. Das ist nicht leicht und erfordert eine Menge Mut. Doch schließlich weicht die Angst etwas anderem. Einem Gefühl tiefer Liebe und Sicherheit. Ich fühle mich sicher. Denn ich weiß, dass das Universum ein Auge auf mich hat und mich beschützt.

Wenn ihr Ängste habt, die euch belasten, scheut euch nicht, euch Hilfe zu holen. Das kann eine Freundin sein, ein Therapeut, eine Heilpraktikerin, wo auch immer ihr euch wohl fühlt. Angst zu haben ist weder unnatürlich, noch peinlich . Schaut mich an. Ich bin erwachsen und fürchte mich vor Clowns. 😉

Und eine Herzensangelegenheit von mir:

Wenn ihr Kinder habt oder mit Kindern zusammen seid, bitte nehmt ihre Ängste ernst. Ihr wisst nie, was sie den Tag über gesehen, erlebt oder gehört haben.

Und Angst:

Ich danke dir, dass es dich gibt.

Ich danke dir, dass du mich beschützen möchtest.

Und Angst: Der Boss in meinem Leben bin ich. 😉

 

Alles Liebe für euch,

eure Susanne

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2 Comments

  • Reply Seidel Kerstin Oktober 31, 2016 at 9:36 am

    Schwesterherz mir geht’s genauso diese blöden Horror-clowns beschäftigen mich total so das ich schlecht schlafen kann und du weisst das heisst was bei mir. Hoffe nur das sie heute alle schon ab fünf schlafen gehen

    • Reply Susanne November 2, 2016 at 8:23 am

      Ja, das heißt wirklich etwas. Die sind aber auch gruselig. Manchmal scheint unsere Welt ganz schön chaotisch. Aber ich denke wir haben mehr Macht, als wir glauben. Ich wünsche dir auf jeden Fall, dass du bald wieder gut schlafen kannst. Fühl dich umarmt.

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