Aus eigener Feder

Alfred

November 4, 2015

Hallo ihr Lieben,

heute stelle ich euch “Alfred” vor. Diese Geschichte habe ich vor ca. 1,5 Jahren geschrieben. Sie war die 6. Hausaufgabe meines Studiums. Ich hatte ein Bild mit einem Paar, dass auf einer Wiese ein Picknick macht. Dazu sollte ich eine kurze Geschichte schreiben. Hier ist sie…
Aber Achtung! Keine leichte Kost! Diese Story zählt definitv zu meinen Dunkelsten. Auf jeden Fall  war eine Herausforderung, einmal eine andere Richtung auszuprobieren und in den menschlichen Abrund zu tauchen…

Alfred

 
Alfred lächelte. Dieses lächerliche Picknick am See, bei strahlendem Sonnenschein, mit dieser fremden Frau, die ständig so dämlich  vor sich hin grinste, stand in krassen Gegensatz zu dem, was Alfred später noch vorhatte.

Evelyn, was für ein dämlicher Name für eine Frau. Aber der würde ihr dämliches Grinsen schon noch vergehen. Dafür würde er schon Sorgen. Bei diesem Gedanken wurde sein Lächeln noch breiter.Er füllte ihr Weinglas bereits zum zweiten Mal. „Danke, Alfred. Das ist wirklich sehr aufmerksam von dir.“ Evelyn, seine Internetbekanntschaft, sah ihn ganz verliebt an. 

Alfred wurde beinahe übel. „Das war wirklich eine gute Idee von dir, mit dem Picknick. Genau das Richtige, für unsere erste Verabredung.“ Bei dem Klang ihrer viel zu hohen Stimme, zog sich sein Magen noch fester zusammen. Sie klang fast wie seine Mutter. Doch er rief sich innerlich zur Ordnung. Schließlich durfte er sich nicht seinen Gefühlsregungen überlassen. Erst später.

Evelyn und er waren sich über eine Partnerschaftsagentur im Internet begegnet. Für Alfred war dies der einfachste Weg, um Frauen kennenzulernen. Er selbst war ein eher durchschnittlicher Typ Mann, vielleicht auch ein wenig unscheinbar. Mitte dreißig, schlank, braunes, leicht schütteres Haar, Bahnarbeiter. Doch er hatte eine ganz besondere Mission. Bewusst suchte er im Netz  nach alleinstehenden Frauen Anfang fünfzig. Denn die meisten davon waren dankbar, wenn sich überhaupt noch ein Vertreter des männlichen Geschlechts für sie interessierte. 

Diese Evelyn war wirklich alles andere als eine Schönheit. Ihr dauergewelltes, kinnlanges  Haar war blondgesträhnt, sie benutzte zu ihren blauen Augen viel zu blauen Lidschatten, und zu allem Übel, verwendete sie einen viel zu grellen Lippenstift, der nicht nur ihren Mund, sondern auch ihre Zähne knallrot färbte.  Ihre Nägel waren vom vielen Rauchen bereits gelb und auch mit ihrer Figur stand es nicht zum Besten. Ihre Brüste hingen schlaff nach unten und auch der Bauch legte sich in ein paar Speckrollen über den Bund ihrer viel zu engen Hose. Doch Evelyn würde ihren Zweck erfüllen, genau wie bereits die vielen anderen Frauen vor ihr. Außerdem war sie leicht zu haben. Nachdem ihr Mann sie vor fünf Jahren wegen einer Jüngeren hatte sitzen lassen, konnte sie keinen Mann mehr für sich gewinnen. 

Wieder musste Alfred lächeln. Wie gutgläubig und naiv diese Ausgeburten der Hölle doch waren. Denn ein anderer Ausdruck für Frauen jeglicher Art fiel ihm nicht ein. Sie waren alle gleich schlecht und mussten eine nach der anderen aus dem Weg geräumt werden. Vor allem die, die seiner Mama so ungeheuer ähnlich waren.Der Herr Pfarrer hatte damals Recht, vor über 20 Jahren. Er durfte mit niemanden darüber reden. 

Die Frauen würden vor Gott im Himmel für ihre Sünden gerade stehen müssen. Aber er, Alfred, dürfe auf keinen Fall über diese Vorkommnisse sprechen. Aus diesem Grund beschloss er, den Vorgang zu beschleunigen und dem allmächtigen Herrn dabei zu helfen. Und so hatte sich Alfred im Laufe der Zeit etwas Besonderes für diese abartigen Geschöpfe Gottes ausgedacht.

Nachdem er sie an einen abgelegenen Ort gelockt, den vertrauenswürdigen und unscheinbaren Alfred gegeben und ihnen Honig ums Maul geschmiert hatte, konnte er sich endlich seiner wahren Mission widmen.Es gefiel ihm, wenn sie seinem schweren Körper nachgeben mussten und um Gnade winselten. Dabei machte er doch nur Liebe mit ihnen. So hatten seine Mama und ihre Freundinnen  es damals jedenfalls genannt, als sie ihm auf besondere Art und Weise jeden Freitagabend  „Gute Nacht“ sagten. 

Anschließend benutze er sein Messer und bewahrte nur das gefährlichste Erinnerungsstück an sie auf: Ihre Hände. Als er Evelyn betrachtete, und sie seinen Blick verliebt erwiderte, erfüllte ihn der Gedanke vollends mit Befriedigung, dass auch später die ihren einen Platz in seiner Tiefkühltruhe finden würden. Genau neben denen seiner Mutter.

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